motiviert sein zur Behandlung, was ist das ?

06.01.2017

Nur die wenigsten Alkoholkranken können bzw. wollen von einem Moment zum andern mit dem Trinken aufhören. Der Wille zur Abstinenz muss sich erst entwickeln. Diese Entwicklung erfolgt im Allgemeinen in 6 Schritten (Zwischenzielen):

1. Erkenntnis, dass eine Änderung der gegenwärtigen Situation notwendig ist ("So geht es nicht mehr weiter");

2. Anerkennung der Hilfsbedürftigkeit ("Ich schaffe es nicht mehr allein");

3. Akzeptieren der angebotenen Hilfe ("Ich lasse mir helfen");

4. Akzeptieren, alkoholabhängig zu sein ("Ich bin ein Alkoholkranker");

5. Anerkennung des Abstinenzzieles ("Ich akzeptiere, dass ich keinen Alkohol mehr trinken darf");

6. Anerkennung des Ziels des allgemeinen Verhaltenswandels ("Ich muss mein Leben anders gestalten, wenn ich nicht mehr rückfällig werden will").

Den Alkoholkranken bei der Entwicklung dieser Schritte zu unterstützen, ist das vornehmliche Behandlungsziel der Kontakt- und Motivierungsphase und oft auch der schwierigste Teil im gesamten Behandlungsverlauf.

"Zur Behandlung motiviert sein" meint deshalb, dass der Alkoholkranke bereit ist, aus den beschriebenen Erkenntnisschritten heraus konsequent jene Hilfen in Anspruch zu nehmen, die ihm von den Fachleuten (z.B. Ärzten, Mitarbeitern in Beratungsstellen) angeboten werden.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine erfolgreiche Behandlung des Alkoholkranken?

Die wichtigste Voraussetzung ist, dass der Kranke richtig motiviert ist, d. h., dass er

  • einsieht und anerkennt, dass seine Schwierigkeiten (gesundheitlich und gesellschaftlich) des Alkohols wegen entstanden sind,
  • zur Mitarbeit in der Therapie und zur Annahme von Hilfe bereit ist.

Sehr wesentlich ist es, den Partner oder die ganze Familie in die Therapie mit einzubeziehen. Auch die Angehörigen sind über das ganze Alkoholismusproblem ausreichend aufzuklären und von der Notwendigkeit einer entsprechenden Behandlung zu überzeugen. Zum anderen hat sich gezeigt, dass die Angehörigen, insbesondere die Partner, oft eine verhängnisvolle Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des Alkoholismus spielen. Dabei ist ihnen dies manchmal gar nicht bewusst. Es kann z. B. vorkommen, dass der Betroffene aus Trotz gegen das häufige Herumnörgeln seines Ehepartners noch mehr trinkt. Deswegen kommt es bei der Behandlung auch sehr auf das entsprechende Verhalten des Partners an.