Ist eine Heilung überhaupt möglich?

05.01.2017

In weiten Kreisen der Bevölkerung, aber auch bei manchen Ärzten ist die Meinung verbreitet, man könne einen "echten Alkoholkranken" überhaupt nicht heilen. Wenn jemand erst einmal richtig dem Alkohol verfallen sei, könne man ihm auf die Dauer doch nicht helfen, d.h., man müsse ihn sozusagen "abschreiben". Eine solche Meinung gründet sich letztlich in dieser allgemeinen Aussage auf ein Vorurteil, wenngleich nicht bestritten werden kann, dass es einzelne Alkoholkranke gibt, bei denen diese pessimistische Prognose zutrifft. Sicher ist, dass die Alkoholkrankheit nur geheilt werden kann, wenn die Betroffenen mit all ihren Kräften mitarbeiten. Es verhält sich hier also im Prinzip anders als bei vielen körperlichen Krankheiten, wo man sich "behandeln lassen" kann. (Freilich wissen wir, dass auch hier der entschlossene Wille zur Gesundung einen wesentlichen Heilfaktor darstellt.) Beim Alkoholkranken wie bei den anderen Suchtkranken besteht aber oft, zumindest am Anfang, eine zwiespältige (ambivalente) Einstellung. Die Verleugnungstendenzen wurden schon erwähnt. Wenn Betroffene manchmal auch einsehen, dass sie Probleme mit dem Alkohol haben, so ist ihr Entschluss, in Zukunft darauf zu verzichten, doch oft recht halbherzig. Die meisten Alkoholkranken glauben, sie könnten sich allein helfen (was in Wirklichkeit nur den wenigsten gelingt). Wenn aber eine entsprechende Behandlung über genügend lange Zeit durchgeführt wird und eine gute Motivation besteht, so sind die Chancen so günstig wie bei vielen anderen vergleichbaren Krankheiten.